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SAMR – ein Modell für das „digitale“ Lernen an Schulen am Beispiel des Einsatzes im Internat Villa Wewersbusch [Werbung]

Gruppenarbeit in der Villa Wewersbusch

Seit langem engagiere ich mich als Elternvertreter am Gymnasium-Brake. Als Mitglied des Schulvorstands ist mir—insbesondere mit Blick auf mein eigenes digitales Nutzungs- und Arbeitsverhalten—die Medienkompetenz der Schüler*innen stets ein Anliegen.

Ich halte nicht sehr viel davon, dass Schulen digitale Hilfsmittel verteufeln und deren Einsatz sinnlos einschränken. Der kompetente Umgang mit digitalen Medien wird für unsere Kinder privat wie auch beruflich noch weitaus wichtiger sein, als er es für uns bereits jetzt schon ist.

Um diese Medienkompetenz zu lehren bedarf es natürlich Kompetenzen auf Seiten der Lehrer*innen—und auch die entsprechenden theoretischen und didaktischen Modelle, um das Ziel mit dem Unterricht auch zu erreichen.

Positiv aufgefallen ist mir in diesem Zusammenhang die Villa Wewersbusch.

Privatschule und Internat Villa Wewersbusch

Die Villa Wewersbusch legt als Privatschule und Internat einen Schwerpunkt auf

  • individuelle Förderung
  • Bildung der Persönlichkeit
  • Stärkung von Talenten
  • Zugang zu Wissen und Kompetenzen verschiedenster Disziplinen
Hauptgebäude Villa Wewersbusch

(c) by Villa Wewersbusch

Die denkmalgeschützte Fassade der Villa Wewersbusch sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei dieser Schule um eine der modernsten Schulen Deutschlands handelt.

Keine schweren Schulbücher werden durch die Gänge geschleppt, keine Hefte werden im Schulranzen gequetscht, nicht einmal mehr einen Kopierer gibt es hier.

Neben dem »klassischen« Schul- und Allgemeinwissen stehen hier vor allem übergeordnete Themen im Vordergrund wie

  • Medienkompetenz
  • Kommunikation
  • Kollaboration
  • Informationskompetenz
  • Kreativität
  • und kritisches Denken

Alle Klassenräume an der Schule sind mit Whiteboard, Beamer, Apple-TV und Gigabit W-LAN ausgestattet. Das wichtigste Arbeitsmittel für die Schüler und Lehrer ist das iPad.

Kleine iPad-Klassen in der Villa Wewersbusch

(c) by Villa Wewersbusch

Nun reicht es sicher bei weitem nicht aus, Lehrer*innen und Schüler*innen einfach mit digitaler Technik auszustatten. Es bedarf eines Vorgehensmodells, um mit der digitalen Technik neue, bessere Ergebnisse zu erzielen, als es mit analogen Methoden möglich ist.

Lernen nach dem SAMR-Modell

Das SAMR-Modell ist ein von Ruben Puentedura im Jahr 2006 entwickeltes Modell zur Analyse der technischen Integration im Schulunterricht. Das SAMR-Modell verdeutlicht in vier konkreten Stufen, in welcher Weise und in welchem Ausmaß digitale Medien im Unterricht den Lehr- und Lernprozess bereichern bzw. verändern: Substitution, Augmentation, Modification, Redefinition (oder auf deutsch: Ersetzung, Erweiterung, Änderung, Transformation).

Am Modell lässt sich vermitteln, wie die Bearbeitung und Gestaltung von schulischen Aufgaben durch digitale Hilfsmittel verbessert werden können. Dazu wird zunächst die Einbeziehung von technischen Basisfunktionen umgesetzt und danach die vielfältigen Möglichkeiten einer sinnvollen Ausgestaltung aufgezeigt.

Lehrer*innen können so ohne große Hürden auf einer niedrigschwelligen Stufe in den Unterricht einsteigen und bei Bedarf den Einsatz neuer Technologien steigern.

Teamarbeit in der Villa Wewersbusch

(c) by Villa Wewersbusch

Auf der untersten Ebene wird dabei mit der Ersetzung (Substitution) analoger Schulaufgaben und Unterrichtsmaterialien durch entsprechende digitale Produkte begonnen. Ganz simpel geht es zum Beispiel um das Lesen von digitalisierten Texten oder um die Nutzung von Computern, Laptops oder Tablets anstelle der analogen Schreibmaschine. Das allein bringt natürlich noch keine Verbesserungen hinsichtlich der Funktionalität mit sich, auf diesem Weg kann aber der erste Umgang mit den neuen digitalen Medien geübt werden.

Eine Verbesserung der Lehr- und Lernsituation wird auf der zweiten Modell-Ebene, der Erweiterung (Augmentation), spürbar. Digitale Basisfunktionen, wie etwa eine automatische Rechtschreibprüfung des eben erstellten Textes oder das Kopieren, Ausschneiden, Suchen und Ersetzen von Inhalten können genutzt werden, um Texte schnell und unkompliziert umzugestalten. Multimediale Inhalte wie Audio- und Videodateien oder interaktive Karten, die auf analogem Wege gar nicht oder nur sehr eingeschränkt verarbeitet werden können, lassen sich integrieren oder verlinken.

Gruppenarbeit in der Villa Wewersbusch

(c) by Villa Wewersbusch

Die Umgestaltung von Schulaufgaben beginnt auf der Modell-Ebene der Änderung (Modification). Aufgaben, die bisher analog gestellt worden sind, werden durch die Lehrenden so umformuliert, dass nun zur Lösung eine digitale Unterstützung notwendig ist und deren Vorzüge von den Schüler*innen erfahrbar wird. So können E-Mail, Tabellenkalkulationen, digitale grafische Darstellungen zum Einsatz kommen. Auch der soziale Aspekt der digitalen Bearbeitung kann durch das wechselseitige Kommentieren von Blog-Beiträgen und die sich daraus ergebene Diskussion unter den Schüler*innen in den Fokus gestellt werden.

Videoproduktion in der Villa Wewersbusch

(c) by Villa Wewersbusch

Aufgaben, die ohne technologische Unterstützung gar nicht möglich sind, werden in der Modell-Ebene der Neubelegung (Redefinition) beschrieben. Anstelle des Schreibens von Essays kann im Unterricht zum Beispiel das digitale Storytelling behandelt werden. »Death by Powerpoint« wird durch eine sehr persönlich aufbereitete Geschichte mit Hilfe einer Kombination von Texten, Bildern und weiteren multimedialen Inhalten erzählt.

Ich würde mir wünschen, dass das SAMR-Modell, sich auch an anderen Schulen eingesetzt und die Digitalisierung als Chance und Verpflichtung angesehen wird, Schüler*innen mit diesen Technologien nicht alleine zu lassen. Ein sinnvoller Einsatz im Unterricht ist machbar, wenn Lehrer*innen, Schüler*innen und Eltern an einem Strang ziehen und anstatt Technologieunfreundlichkeit zu leben, lieber nutzenstiftende Konzepte für die neue Lehr- und Lernwelt entwerfen.

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