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Welche Bücher haben dich beeindruckt, gestärkt oder geprägt?

Alte Bücher

Welche Bücher haben dich beeindruckt, gestärkt oder geprägt? Diese Frage erreichte mich seinerzeit von @amaywi.

Wenn ich über die Ausgangsfrage nachdenke, dann stelle ich fest, dass es von meinem Alter und meiner Lebenssituation abhing, welche Bücher mich beeindruckt, gestärkt oder geprägt haben. Vermutlich wird es den meisten von euch so gehen. Auch haben diese Bücher nicht zwingend Inhalte oder Form gemeinsam – es ist mit dem Lesen wie mit Musik hören. Mich muss berühren, was ich lese oder höre, dann beeinflusst es mich auch.

Als kleiner Junge hat mich »Der Struwwelpeter« nachhaltig beeindruckt. Insbesondere die offensichtliche Tatsache, dass man bei starkem Wind mit dem aufgespannten Regenschirm einfach mal in den Wolken verschwinden konnte, hat mich sehr verstört. Vermutlich habe ich heute deswegen noch eine Abneigung gegen Regenkleidung jeglicher Art.

Später habe dann die Jugendbuchreihe »Burg Schreckenstein« verschlungen. Und zwar alle Bände – wieder und wieder gelesen. Keine Ahnung, was ich davon geistig mitgenommen (oder abbekommen) habe, aber in der Zeit, in der ich mit meiner Familie in Hessen lebte, war es für mich wie heimkommen, wenn wir Burgen und Schlösser besichtigt haben.

So etwa mit 16 Jahren, haben mich die Bücher einiger Verhaltensforscher beeindruckt. Irenäus Eibl-Eibesfeldt und Konrad Lorenz haben mein Bild von Menschen und Tieren extrem geprägt.
So reifte der Wunsch heran, Biologe zu werden. Und das, obwohl der Berufsberater damals schon zu mir sagte, dass ich vermutlich nie in meinem Leben als Biologe arbeiten werde – es seien schlichtweg zu wenig Jobs vorhanden. Nun, er sollte Recht behalten, ich wollte nicht die Karriere eines Pharmareferenten einschlagen und Jobs als Biologe gab es tatsächlich wenig – und die waren auch noch mies bezahlt.

Seit dem sind immer mal wieder Bücher oder Autoren hinzugekommen, die meine Sicht auf die Dinge dieser Welt beeinflussten:

Jan Moewes »Für 12 Mark 80 durch das Universum. Über Zeit, Raum und Liebe«. Die Neuauflage heißt nun tatsächlich „Für 6 Euro 50 durch…“ – ein großartiges Buch über Demut, Bescheidenheit und grenzenloser Liebe, das ich bedingungslos empfehlen kann. Es hat mir die Augen geöffnet: wir sind nicht allein, das All ist durchzogen von Leben. Leben ist eine notwendige Folge dieses Universums. Zu denken, wir sind die Einzigen ist ebenso vermessen wie anzunehmen, die Sonne dreht sich um die Erde.

Stephen W. Hawking »Das Universum in einer Nußschale« – großartige Welten beschreibt Hawking dort, Wurmlöcher kannte ich sonst nur aus dem TV (oder aus dem Garten), inzwischen halte ich den Ansatz von Hawking, dass die Welt vollständig deterministisch, aber hoch komplex funktioniert, für falsch. Das Universum ist keine Uhr, welche wir durch die Analyse der Einzelteile beschreiben können.

Richard P. Feynman »QED. Die seltsame Theorie des Lichts und der Materie.« – Licht = Wellen, Materie = Teilchen? Mitnichten! Alles ist mit allem verbunden, dieses Buch liefert die Grundlage zu den esoterischen Modeerscheinungen. Nicht Alles ist für Nicht-Physiker leicht verständlich, aber es lohnt sich, weiterzulesen.

Edward Yourdon »Death March« – DAS Buch für Menschen, die als Projektmanager arbeiten wollen/dürfen/müssen. Seit dem ich es las, liebe ich Kamikaze-Projekte: zum scheitern verurteilt, aber mit Glanz und Gloria gefeiert – das kann auch Spaß machen!

Tom DeMarco »Bärentango« – Risikomanagement ist Projektmanagement für Erwachsene! Wer’s braucht?! Ich kann es empfehlen, DeMarco schreibt locker und leicht verständlich über die Dinge, die mich als Projektmanager immer wieder haben (ver)zweifeln lassen…

James Lovelock »The Revenge of Gaia« – Lovelock ist für mich einer der großen Vordenker der grünen Bewegung. Seine Forschungen (und die seiner Mitarbeiter) haben heutiges Weltbild entscheidend geprägt: die Erde ist ein Lebewesen!

Tsunetomo Yamamoto »Hagakure« – die Moralvorstellungen der Samurai, habe ich gelesen, nachdem ich den großartigen Film von Jim Jarmusch »Ghost Dog – Der Weg des Samurai« gesehen habe. Seltsamerweise erklärte das Buch für mich die ansonsten merkwürdigen Verhaltensweisen einiger Kollegen, die ich in meiner langjährigen Konzernkarriere immer mal wieder getroffen habe… Mir sagte mal jemand, dass sich insbesondere Ex-Soldaten in der hierarchischen Befehl-und-Gehorsam-Struktur in der deutschen Telekommunikationsbranche wohl fühlen. Mag sein, ich finde jedoch die Moralvorstellungen der Samurai, ebenso wie das Verhalten einiger Menschen mit denen ich zusammenarbeiten musste, absonderlich.

Gerd Gigerenzer »Das Einmaleins der Skepsis: Über den richtigen Umgang mit Zahlen und Risiken« – für Arzt-Phobiker wie mich das PERFEKTE Buch, ansonsten regt es sehr dazu an, Statistiken nicht einfach zu vertrauen, sondern stets zu hinterfragen. Ein Muss für mündige Staatsbürger.

Charles Darwin »Über die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl.« – für Biologen ein Klassiker und jeder, der sich in den aktuellen Diskussionen bspw. über Sozial-Darwinismus beteiligen will, sollte wissen, was das Original schrieb.

Gerd Gigerenzer »Bauchentscheidungen: Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition« – dieses Buch liefert mir den Grund, nicht abzunehmen, schließlich möchte ich nicht, dass mein Bauchgehirn schrumpft.

James Surowiecki »Die Weisheit der Vielen: Warum Gruppen klüger sind als Einzelne« – eigentlich auch eine Lektion in Demut und Bescheidenheit, Expertenwissen bedeutet nicht viel gegenüber den Möglichkeiten, welche die Gruppe bietet. Unter bestimmten Umständen…

(to be continued…)

Wie ist es bei dir? Welche Bücher haben dein Leben beeinflusst?

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