Biologie, Natur
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Die vier Legenden der Schulbiologie

Blatt

Bruce Lipton, ein US-amerikanischer Entwicklungsbiologe und Stammzellforscher, schrieb kürzlich in seinem Blog „Biology of beliefs“ über die vier Mythen der Wahrnehmung.

Ich nenne diese vier Mythen lieber die vier Legenden der Schulbiologie, spiegeln sie doch das wider, was uns und unseren Kindern seit Jahren in den Schulen vermittelt wird – ungeachtet der Tatsache, dass es seit längerem sehr klare Belege für alternative Hypothesen gibt.

Legende 1 – auch die Biologie wird über die altbekannte Newtonschen Mechanik gesteuert

Dieser sehr materialistische Ansatz ist zunehmend einer neuen Erkenntnis gewichen, dass die Biologie über quantenmechanische Effekte gesteuert wird.

So fanden britische Forscher bei der Untersuchung der Lichtreaktion der Photosynthese in Pflanzen heraus, dass „die Eigenschaften der Vibrationen einiger Chromophoren, die den Energietransfer während der Photosynthese bewerkstelligen, nicht anhand der altbekannten, klassischen Gesetze der Physik beschrieben werden können.“

Im Klartext heisst das, dass Pflanzen sich bei der Photosynthese quantenmechanische Tunneleffekte bei der energieeffizienten Übertragung von Elektronen im Lichtsammelsystem der Zelle  zu Nutze machen.

Legende 2 – Gene steuern das Leben

Die neue Wissenschaft der Epigenetik belegt, dass die Umwelt die Gene steuert.

So lässt sich zeigen, dass bei Mäusen eine antrainierte Angst vor bestimmten Gerüchen durch eine entsprechende epigenetische Änderung in der Methylierung des DNA-Strangs – also nicht durch Änderung des genetischen Codes selbst – an die nachfolgenden Generation weitergegeben werden kann. Selbst die Enkelgeneration, die dem ursprünglichen Reiz nie ausgesetzt war, hat noch Angst vor dem Geruch, der die Großeltern in Panik versetzte.

Eine interessante Parallele zur Diskussion von Ängsten bei den Enkeln der Kriegsgeneration.

Legende 3 – „Survival of the fittest“

Im deutschen Sprachraum gerne mal sozialdarwinistisch als „Überleben des Stärksten“ völlig falsch übersetzt, ist das „Überleben des Angepasstesten“ als Ergebnis vom „Kampf ums Dasein“, welcher als Ausdruck des Überlebenskampfes so trefflich von Darwin beschrieben, aber eigentlich vom britischen Sozialphilosophen Herbert Spencer geprägt wurde, heute eine völlig überholte Anschauung.

Nicht Konkurrenz, sondern Kooperation treibt als Motor die Evolution an.

Der Österreicher Martin Nowak leitet den Lehrstuhl für Evolutionsdynamik an der Harvard-Universität. Seine nach der Spieltheorie entworfenen Modelle legen nahe, dass „Mutation“ und „Selektion“ als treibende Kräfte der Evolution nicht ausreichen. „Kooperation“ auf allen Ebenen des Systems sei notwendig.

„Das Leben hat den Globus nicht durch Kampf erobert, sondern durch Vernetzung.“
— Lynn Margulis

Damit untermauert Martin Nowak auch die Endosymbionten-Theorie von Lynn Margulis. Durch Inkorporation oder Zusammenschlüsse unterschiedlichster Einzeller sind neue Zelltypen mit neuen Eigenschaften entstanden. Moleküle kooperieren, um ihre enzymatische Wirkung zu vervielfachen. Unterschiedliche Bakterien kooperieren und formen gemeinsam neue, erfolgreiche Zelltypen. Einzeller kooperieren und werden Mehrzeller. Mehrzeller kooperieren untereinander und formen Gemeinschaften, Rudel, Stämme, Familien, Vereine, Gesellschaften. Die gesamte Erde ist ein einziger Organismus: Gaia.

Legende 4 – Evolution ist ein zufälliger Prozess

Heute finden sich viele Belege dafür, dass sich die Organismen aktiv entwickeln, um sich einer bestimmten Umwelt anzupassen.

Schon 1988 wies der Molekularbiologe John Cairns nach, das Laktose-intolerante Escherichia Coli Bakterien, die aber dennoch nichts anderes als eben diese Laktose als Nahrung vorgesetzt bekommen, bereits nach wenigen Zellteilungen dergestalt mutieren, dass gut 20% der Nachkommen Laktose verdauen können. Diese Anpassung ist das Resultat einer vom Bakterium aktiv erhöhten Mutationsrate durch Umbau der DNA bei der Replikation der Zelle (Hypermutation) und damit eine direkte Reaktion auf den Stress der aufgezwungenen Verwertung der Laktose.

Fazit

Unser Wissen ist immer nur ein Abbild unserer Zeit und verändert sich laufend. Über viele Jahrhunderte bestimmte der Materialismus die Forschung und Wissenschaft.

Heute scheinen viele wissenschaftliche Erkenntnisse ein altes Wissen zu bestätigen, wie es insbesondere in den östlichen Philosophien gelehrt wird, sich aber auch im Schamanismus vieler Naturreligionen findet.

Wesentlicher Punkt ist, dass der Mensch ein integraler Bestandteil seiner Umwelt ist und mit allen anderen Wesen oder Dingen kooperativ vernetzt ist – räumlich wie zeitlich.

Das reduktionistisch-materialistische Weltbild unserer Schulbildung weicht in vielen Bereichen einer holistisch-spirituellen Sicht.

Selbst das große Dogma der Molekularbiologie, dass die Gene unser Leben bestimmen würden, ist nicht mehr aufrechtzuerhalten.

Artikelbild: M. Großmann  / pixelio.de

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  1. Pingback: Dafür kann ich nichts! Das sind die Gene! - snowinsoho

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