Buddhismus
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Frosch und Kröte – Ein Lehrstück buddhistischer Philosophie?

Garten

Ich höre gerne Podcasts. Zum Beispiel, wenn ich morgens mit dem Auto auf dem Weg zur Arbeit bin – oder Abends auf dem Weg nach Hause. Ich kann dem täglichen Einheitsbrei der meisten Radiosender nicht viel abgewinnen, die Musik gefällt mir in der Regel nicht und ständig aufgedrehte, lustige Moderatoren sind mir auch suspekt. Also schalte ich das Autoradio erst gar nicht an und habe so täglich etwa eine Stunde Zeit, um Podcasts zu hören.

Die Lehren von Jack Kornfield lassen sich ebenfalls als Podcast abonieren

Eine Quelle toller Podcasts ist zum Beispiel »Mindpotnetwork« mit einem großartigen Line-up bekannter Lehrer wie Ram Dass, Jack Kornfield, Joseph Goldstein, Sharon Salzberg, Lama Surya Das oder Tara Brach.

Unbedingt empfehlen kann ich zum Beispiel den Podcast von Jack Kornfield. In der Ausgabe Nr. 23 hat er eine wunderbare Geschichte von Frosch und Kröte (Arnold Lobel, Das große Buch von Frosch und Kröte) vorgestellt, die für mich ein Lehrstück buddhistischer Philosophie zum Thema »Loslassen« ist:

Der Buddhismus sagt, das nichts von Dauer ist, jeder Moment geht in einen neuen über. Das Leiden, das wir spüren, die Unbefriedigtheit, die Unzufriedenheit kommt nicht aus der Tatsache, dass man nichts festhalten kann, um es »ewig« an sich zu binden, sondern vielmehr aus der Tatsache, dass wir dies ständig versuchen.
Dass nichts so bleibt, wie es ist, muss so sein, sonst gäbe es kein Leben, keine Evolution, kein Baby, das zu einem starken Erwachsenen wird, keine Blüte, die zur Frucht wird.
Wenn wir akzeptieren, dass der Wandel dem Leben gleichgestellt ist, dass wir loslassen müssen, um etwas Neues zu bekommen, dann werden wir mit Ruhe und weniger Leiden durch unser Dasein gehen.
Buddhistische Weisheit

 

Frosch und Kröte »Der Garten« / Frog and Toad »The Garden«

Schaut euch die Folge gerne im englischen Original an – auch wenn die Stimmen etwas gewöhnungsbedürftig sind und mich als Kind vermutlich eher verstört hätten. 😉

Aus dieser kleinen Geschichte lernen wir, dass Geduld ist eine wünschenswerte Tugend ist. Geduld kann dabei schwanken zwischen einem Übermaß an Geduld (man wartet und wartet und wartet – aber nichts passiert) und einem völligem Mangel an Geduld bzw. Ungeduld.

Irgendwo zwischen diesen beiden extremen Polen ist ein sinnvolles Verhalten zu finden.

Frosch zeigt ein in der kleinen Geschichte von Arnold Lobel ein angemessenes Verhalten hinsichtlich seiner Geduld: er pflanzt die Samen, weiß dabei aber, dass ein wachsender Garten auch Zeit und Pflege benötigt, er wässert die Pflanzen und jätet das Unkraut.

Kröte hingegen ist ungeduldig. So kommt sie zwar am Ende auch zum Ziel – doch um welchen Preis? Sie ist aufgeregt, verärgert, wütend und vergeudet eine Menge Energie mit allerlei fruchtlosen und überflüssigen Bemühungen. Das lässt sie die Gartenarbeit völlig anders erleben als Frosch.

Kinder bekommen in dieser Folge sehr direkt und anschaulich vermittelt, dass zu viel Ungeduld wenig hilfreich ist, wenn sie ihre Ziele erreichen möchten. Die Geschichte kann aber durch Anheben auf eine etwas abstraktere Stufe auch für uns Erwachsene noch sehr lehrreich sein.

Der Geist ist ein Feld, das alle Arten von Samen aufnimmt

Der vietnamesische Zen-Lehrer Thich Nhat Hanh schrieb zum Beispiel über das buddhistische Verständnis der Natur des menschlichen Bewusstseins:

Der Geist ist ein Feld
das alle Arten von Samen aufnimmt.
Dieses Geistfeld kann man auch
»alle Samen« nennen.
Eine unendliche Vielfalt von Samen gibt es in uns –
Samen des Samsara und Samen des Nirvana,
Samen der Verblendung und Samen der Erleuchtung,
Samen des Leidens und Samen des Glücks,
Samen der Wahrnehmungen, der Namen und Begriffe.
Samen, die als Körper und Geist manifest werden,
als Daseinsbereiche, Stufen und Welten,
sind sämtlich in unserem Bewusstsein gespeichert.
Deshalb wird es »Speicherbewusstsein« genannt.
Einige Samen sind uns angeboren,
sie wurden uns von unseren Ahnen vererbt.
Andere wurden gesät, als wir uns noch im Mutterleib befanden,
wieder andere gehen auf unsere Kindheit zurück.
Seien sie nun von Familie, Freunden,
der Gesellschaft oder durch Erziehung übertragen,
alle unsere Samen sind
sowohl individueller als auch kollektiver Natur.
Die Qualität unseres Lebens
hängt von der Qualität
der Samen ab,
die tief in unserem Bewusstsein ruhen.
Fünfzig Verse über die Natur des Bewusstseins

Meditieren ist geduldige Pflege des inneren Gartens

Wenn ich meditiere sorge ich dafür, dass ich die positiven Samen in mir kultiviere. Achtsamkeit ist dabei das Lebenselixier – Samen, denen ich Beachtung schenke, können (und werden) wachsen.

Wenn ich meditiere sorge ich dafür, dass ich die positiven Samen in mir kultiviere Klick um zu Tweeten

Ich kümmere mich um meinen inneren Garten mit Achtsamkeit und Geduld, das Unkraut, welches immer mal wieder dazwischen hochkommt, nehme ich zwar akzeptierend zur Kenntnis, schenke ihm aber wenig Aufmerksamkeit, so dass es verkümmert. Ich setze mich dabei nicht unter Druck – und lasse los.

Das ist manchmal leicht, aber oft auch sehr schwere Arbeit – und hat nichts mit dem Wellness-Schischi zu tun, welches uns einige esoterische Schlagenöl-Verkäufer als Meditation verkaufen wollen.

Oder in den Worten von Frosch und Kröte:

»What a fine garden you have, Frog.«
»Yes,« said Frog. »It is very nice, but it was hard work.«

Den oben erwähnten Podcast von Jack Kornfield könnt ihr übrigens auch via Soundcloud anhören:

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