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Buchtipp: Empört euch! von Stéphane Hessel


Stéphane Frédéric Hessel (* 20. Oktober 1917 in Berlin; † 27. Februar 2013 in Paris) war ein französischer Résistance-Kämpfer, Überlebender des Konzentrationslagers Buchenwald, Diplomat, Lyriker, Essayist und politischer Aktivist.

Gleichgültigkeit ist die schlimmste Haltung

Große Aufmerksamkeit erregte 2010 Hessels Essay »Empört Euch!«, in dem er harsche Kritik an verschiedenen aktuellen politischen Entwicklungen übt und zum Widerstand aufruft. Er spricht sich für die Wiederbelebung der Werte der Résistance aus.

»Die Gründe sich zu empören könnten heute als weniger klar erscheinen, da die Welt zu komplex ist. Wer bestimmt, wer entscheidet? Es ist nicht immer einfach zu unterscheiden, welche Strömungen uns gerade regieren. Wir haben es nicht mehr mit einer kleinen Elite zu tun, von der wir klar verstehen, warum sie so handelt. Es ist eine große Welt, in der wir merken, dass gegenseitige Abhängigkeit herrscht. Wir leben in einer noch nie da gewesenen, globalen Verknüpfung. Aber in dieser Welt gibt es unerträgliche Dinge. Um sie zu sehen, muss man sehr genau hinschauen, suchen. Ich sage den jungen Leuten: „sucht ein bisschen, ihr werdet sie finden”. Die schlimmste Haltung ist die Gleichgültigkeit, die bedeutet: „ich kann nichts dafür, ich komme schon klar“. Mit einem solchen Verhalten verliert ihr einen unverzichtbaren Bestandteil der Menschlichkeit. Es ist die Empörung und das daraus resultierende Engagement.«

Entwicklungshilfe, Demokratie und Menschenrechte gehören zu den Themen, die Hessel besonders am Herzen lagen und für deren gewaltlose Umsetzung er bis zuletzt kämpfte.

»Die Botschaft eines Nelson Mandela, eines Martin Luther King findet ihre Relevanz in einer Welt, die eine Konfrontation der Ideologien und die erobernden totalitären Regime überwunden hat. Es ist eine Botschaft der Hoffnung, auf die Fähigkeit moderner Gesellschaften die im Stande sind, Konflikte durch gegenseitiges Verständnis und wachsame Geduld zu lösen. Um dorthin zu gelangen, müssen wir uns auf Rechte berufen, deren Verletzung, egal aus welchen Gründen, unsere Empörung hervorrufen muss. Bei diesen Rechten gibt es keine Kompromisse.«

Die Protestbewegung in Spanien gegen die Folgen der Finanzkrise, die entsprechenden griechischen, französischen und portugiesischen sozialen Protestbewegungen sowie die Occupy-Bewegung berufen sich teilweise auf Stéphane Hessel und seine Schriften.

»Ich stelle mit Freuden fest, dass sich in den letzten Jahrzehnten die „nicht-staatlichen“ Organisationen vermehrt haben: soziale Bewegungen wie Attac (Gesellschaft für die Überprüfung von finanziellen Transaktionen), FIDH (Internationale Gesellschaft für Menschenrechte), Amnesty International (internationale Gemeinschaft von MenschenrechtsverteidigerInnen), sind aktiv und erfolgreich. Es ist klar, um heute maximale Wirkung zu erzielen, muss man sich in einem Netzwerk organisieren, um alle modernen Kommunikationsmittel effektiv nutzen zu können.«

Zugleich warnte er vor Einschränkungen der Rede- und Meinungsfreiheit durch die Gefahr von Medienmonopolen, Übermacht von Konzernen und insbesondere das Bestreben größerer Religionen, die Kritik an der Religion zu unterbinden.

»Wir rufen deshalb auf: „zu einem friedlichen Aufstand gegen den Missbrauch der Massenkommunikationsmittel und der Verführung unserer Jugend zum Massenkonsum, der Verachtung der Schwächsten und der Kultur, der kollektiven Amnesie sowie der maßlosen Konkurrenz – Jeder gegen Jeden“.«

Allen Menschen, die das XXI. Jahrhundert gestalten werden, sagen wir mit unserer ganzen Zuneigung:

„SCHÖPFUNG IST WIDERSTAND. WIDERSTAND IST SCHÖPFUNG.“ -- Stéphane Hessel Klick um zu Tweeten

Angesichts der um sich gegriffenen medialen Verblödung und Verrohung und der sinnfreien Ablenkung durch immer infantilere TV-Formate als ablenkendes Kontrastprogramm zur täglich wachsenden Kontrolle durch immer mächtigere Unternehmen und staatliche Behörden wünsche ich mir, dass mehr Menschen sich ein Beispiel an Widerstandskämpfern wie Stéphane Hessel nehmen würden.

Artikelbild: Rama, Wikimedia Commons, Cc-by-sa-2.0-fr [CC BY-SA 2.0 fr], via Wikimedia Commons

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