Monate: Mai 2015

Baumwurzel

Mykorrhiza – das Internet der Pflanzen

Kurz vor dem Ziel abgebogen, um es zu erreichen In den 90er Jahren habe ich an der Carl-von-Ossietzky-Universität in Oldenburg Biologie studiert. Meine Schwerpunkte waren Mikrobiologie, Genetik, Biochemie und Ökologie. Es gab damals in meinen Augen nur wenige attraktive Stellen, um nach dem Studium als Biologe irgendwo Fuß zu fassen. Pharmareferent wollte ich definitiv nicht werden. Eine Alternative musste also her. Ich habe mich etwa ab 1993 mit etwas auseinandergesetzt, was in der wissenschaftlichen Community gerade extrem Furore machte und heute weite Teile unseres Lebens bestimmt: das Internet, bzw. dem Usenet und den ersten Gehversuchen des World Wide Webs. Für mich erschien die Aussicht auf eine technische Vernetzung der Menschheit, der damit einhergehenden Möglichkeit zur weltweiten Bereitstellung von Wissen und dem kostenlosen Teilen neuester Forschungsergebnisse als unglaublich positive Verheißung. Bei aller Euphorie über die technischen Errungenschaften vergaß ich schnell, dass ich in meinem Biologie-Studium eigentlich die natürliche Basis von all dem kennenlernte, was wir Menschen unermüdlich als Beispiel unseres technologischen Fortschritts und unserer geistigen Überlegenheit über andere Wesen anführen. Zwanzig Jahre mussten vergehen, bis ich …

Buchtipp: Empört euch! von Stéphane Hessel

Stéphane Frédéric Hessel (* 20. Oktober 1917 in Berlin; † 27. Februar 2013 in Paris) war ein französischer Résistance-Kämpfer, Überlebender des Konzentrationslagers Buchenwald, Diplomat, Lyriker, Essayist und politischer Aktivist. Gleichgültigkeit ist die schlimmste Haltung Große Aufmerksamkeit erregte 2010 Hessels Essay »Empört Euch!«, in dem er harsche Kritik an verschiedenen aktuellen politischen Entwicklungen übt und zum Widerstand aufruft. Er spricht sich für die Wiederbelebung der Werte der Résistance aus. »Die Gründe sich zu empören könnten heute als weniger klar erscheinen, da die Welt zu komplex ist. Wer bestimmt, wer entscheidet? Es ist nicht immer einfach zu unterscheiden, welche Strömungen uns gerade regieren. Wir haben es nicht mehr mit einer kleinen Elite zu tun, von der wir klar verstehen, warum sie so handelt. Es ist eine große Welt, in der wir merken, dass gegenseitige Abhängigkeit herrscht. Wir leben in einer noch nie da gewesenen, globalen Verknüpfung. Aber in dieser Welt gibt es unerträgliche Dinge. Um sie zu sehen, muss man sehr genau hinschauen, suchen. Ich sage den jungen Leuten: „sucht ein bisschen, ihr werdet sie finden”. Die schlimmste Haltung ist die Gleichgültigkeit, die bedeutet: „ich …